Behandlung wird nach der Geburt oft nicht fortgesetzt

Veröffentlicht am 07.09.22

Wenn Mütter sich um ihr Neugeborenes kümmern, kann so manches auf der Strecke bleiben, mitunter auch die Psychotherapie.

Frischgebackene Mütter, die an Depressionen leiden, gehen häufig nicht mehr zur Therapie. Zu diesem Ergebnis gelangte das WIG2-Institut in einer Datenanalyse von über 116.000 Versicherten. Sie stellten die Daten von Frauen, die in einem bestimmten Zeitraum ein Kind geboren hatten, einer Vergleichsgruppe gegenüber, die im gleichen Zeitraum keine Geburt erlebten. In der Vergleichsgruppe setzten 30 Prozent ihre Behandlung wegen Depressionen im untersuchten Zeitraum fort. Bei Frauen, die geboren hatten, waren dies nur etwa die Hälfte. Bemerkenswert: Bei Männern konnte kein signifikanter Unterschied ermittelt werden. Ob sie Vater wurden oder nicht, hatte offenbar keinen Einfluss auf die Therapietreue. Warum die Geburt eine derartige Diskrepanz auslöst, muss noch geklärt werden. Zwei Erklärungsansätze liefern die Forscherinnen* dennoch: Zum einen könnte das Baby einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit der Mutter haben. Zum anderen ist aber ebenso gut möglich, dass Mütter mit Neugeborenen keinen Freiraum finden, um für sich selbst und ihr Wohlbefinden zu sorgen. Des Weiteren ist der Mangel an Therapieplätzen ein zu berücksichtigender Faktor. Die Annahme liegt daher nahe, dass einige frischgebackene Mütter durchs Raster fallen, so der Geschäftsführer des WIG2 Instituts, Dennis Häckl.

Quelle: Deutsche Apotheker Zeitung